WRINT: Politikunterricht – Was ist politischer Extremismus?

Das Parteienspektrum kann nicht als Linie gesehen werden, sondern auch als Hufeisen:

Das Hufeisenmodell

Das Hufeisenmodell

Dieses Modell zeigt eine grundlegende Eigenschaft politischen Extremismus: die extremen politischen Strömungen sind sich in dem, was sie möchten ähnlicher als den Parteien der demokratischen Mitte. Das Interesse von politisch-extremen Parteien kann hauptsächlich mit dem Wunsch beschrieben werden, die herrschenden politischen Verhältnisse komplett umzustürzen. Dabei unterscheiden sich die Ansichten darüber, wie die neuen Systeme aussehen, der Wunsch das aktuelle System loszuwerden eint aber beide Sichtweisen.

Linksextremismus

Der Linksextremismus zeichnet sich vor allem durch eine Vielzahl an Strömungen aus. Generell möchte man eher eine Welt haben, in der Gleichheit und keine Herrschaftsausübung über andere Menschen herrscht. Das fängt bei Marxismus an und hört bei Anarchismus nicht auf. Die Strömungen eint ein Misstrauen gegenüber dem Staat als Institution und das Vertrauen in die Stärke der menschlichen Gemeinschaft sich selbst zu regulieren.

Rechtsextremismus

Der Rechtsextremismus wiederum zeigt eine klare Hierarchisierung der Welt. In diesen Ideologien gibt es „starke“ und „schwache“ Menschen und die starken dürfen über die schwachen herrschen. Es gibt aus der Sicht rechtsextremistischer Ideologien ein Recht des Stärkeren und eine natürliche Verteilung von Stärke und Schwäche. Zu diesen Ideen tritt zumeist ein klarer Nationalismus und Fremdenhass hinzu. Die Namen dieser Phänomene wechseln, allerdings sind die Grundlinien bei Weitem nicht so fragmentiert wie im Linksextremismus.

Religiöser Extremismus

Als dritte Strömung hat sich, eigentlich auch im konservativen Bereich, eine Form des politischen Extremismus herausgebildet, der sich auf verschiedene versteifte religiöse Vorstellungen beruft. Dabei ist es nicht nur der Islam, sondern auch das Christentum und Judentum, die hier konservative Werte als Dogma für politisches Handeln postulieren und versuchen Politik zur Gestaltung ihrer idealen Gesellschaftsvorstellungen zu benutzen.

2 Gedanken zu „WRINT: Politikunterricht – Was ist politischer Extremismus?

  1. Jens Ridders

    Hallo Thomas,
    ich habe mir diesen Podcast angehört und muss nun doch etwas kritisches dazu schreiben, obwohl ich deine anderen Podcasts immer sehr erhellend fand. Ist Dir bekannt dass die Extremismustheorie in Fachkreisen höchst umstritten ist und in den Sozial- und Politikwissenschaften teilweise als unwissenschaftlich abgelehnt wird? Und das sagen nicht nur irgendwelche linken Krawallos, sondern auch die Bundeszentrale für politische Bildung:

    http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/200097/debatte-extremismustheorie

    Wesentliche Kritikpunkte sind eben, dass Ideologien im linken Spektrum sehr heterogen sind und sich nicht sinnvoll unter einem Begriff zusammenfassen lassen. Der Begriff „Linksextremismus“ ist daher ein reiner politischer Kampfbegriff. Des Weiteren ermangelt es in dieser Theorie an einer klaren Definition von Extremismus. Was extrem ist, hängt dort eben vom politischen Mainstream in der Mitte ab, und der unterliegt eben einem Wandel. Zudem vermittelt diese Theorie, dass es problematische Ideologien ausschließlich in den Extremen gäbe und die Mitte unproblematisch ist. Wir sehen allerdings heute besonders, dass Rassismus und Antisemitismus zunehmend in der Mitte der Gesellschaft ankommt.

    Viele Grüße,
    Jens

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    1. Thomas Brandt Beitragsautor

      Danke für deinen Beitrag!

      Ja, das ist mir alles bekannt. Ich stimme dir auch darin zu, dass Extremismus heutzutage als Kampfbegriff verwendet wird, und das linke Spektrum sehr heterogen ist.

      Zur Mitte muss ich sagen, dass ich selbst nicht mehr daran glaube, dass es eine „Mitte“ gibt. Der Podcast ist etwas älter. Aktuell würde ich es so formulieren, dass die Gesellschaft granular wird und es verschiedene soziale Räume gibt, denen Menschen gleichzeitig zugehörig sein können. So ist es dann möglich, dass Menschen, die sich als „bürgerliche Mitte“ begreifen auch rassistische Tendenzen zeigen. Da gibt es ja auch die entsprechenden Studien aus Leipzig, die sich damit beschäftigen. Was man eigentlich beobachtet ist ein Zerfallen der Gesellschaft in kleinste Teile. Dabei wird es dann auch für Extremismusanalysen schwer, da die alle davon ausgehen, dass es da irgendwo noch homogen gestaltete Bewegungen gibt.

      Das habe ich im Podcast so referiert und es ist auch noch das, was in der Schule gelehrt wird. In die Komplexität von politischem Extremismus vollständig einzusteigen bedarf eines Zeitaufwands, der mir in der Schule leider nicht zu Verfügung steht. Das Thema ist auch im Lehrplan randständig. Das ist eine Erklärung, keine Rechtfertigung. Ich würde das gern auch mehr in der Tiefe machen, aber ich habe auch „nur“ drei Wochenstunden.

      Also, noch einmal: danke für den Beitrag!

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