Schlagwort-Archive: Soziologie

WRINT: Politikunterricht – Welche Sozialisationstheorien gibt es?

Link zur Podcastfolge

Der Prozess der Sozialisation folgt unterschiedlichen Prinzipien. Im Folgenden werden drei der bekanntesten und klassischesten Theorien vorgestellt.

Jean Piaget – Intelligenzentwicklung

Piaget beobachtete seine eigenen Kinder und stellte eine Theorie der Intelligenzentwicklung auf. Er unterteilt diese in vier aufeinanderfolgende Stufen, die jeder Mensch bis zum ca. 15 Lebensjahr durchläuft und in deren Verlauf sich das Denken von erforschender Sinneswahrnehmung zu abstrakten Denkprozessen entwickelt.

An Jean Piaget küpft Lawrence Kohlberg mit einer Theorie der Moralentwicklung an.

George Herbert Mead – soziale Rollenentwicklung

Mead betont in seiner Theorie das Soziale. Identität wird durch das Spielen von Rollen und die Reaktion der Person gegenüber auf ein bestimmtes Verhalten. Dadurch lernt ein Kind soziale Normen und kann diese ausprobieren.

Siegmund Freud – emotionale Entwicklung

Freud gilt als großer, aber auch mittlerweile nicht mehr zeitgemäßer, Vertreter der Psychologie. Seine Theorie beschäftigt sich mit der emotionalen Reifung und dem Widerspruch zwischen Trieben und eigenen Bedürfnissen. In der Enttäuschung der eigenen Bedürfnisse lernt das Kind emotional zu reifen.

WRINT: Politikunterricht – Was ist Sozialisation?

Link zur Podcastfolge

Sozialisation ist der Prozess in dem Menschen die Normen und Werte eine Gesellschaft aufnehmen. Sie ist ein dauerhafter Prozess, der sich in verschiedenen Altersstufen unterschiedlich äußert und Rollenkonflikte, Rollenfindung, die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität in der Gesellschaft.

Sozialisation wird aktiv und passiv durchgeführt, wobei passive Sozialisation bedeutet, dass Menschen Normen und Werte von anderen Mitgliedern der Gesellschaft aufnehmen, während aktive Sozialisation bedeutet, dass Menschen aktiv versuchen diese Normen und Werte in anderen Menschen anzulegen, sie wird auch meist Erziehung genannt.

Es gibt verschiedene Sozialisationsinstanzen, die auf Menschen wirken.

Die primären Sozialisationsistanzen sind direkt mit der Person verbunden sind, wie Eltern und Geschwister. Die sekundären Sozialisationsinstanzen sind in mittelbarer Distanz, wie peer groups (Gruppe der Gleichaltrigen) oder Schule. Tertiäre Sozialisationsinstanzen sind entfernt und wirken durch ihre Präsenz, zum Beispiel Medien oder soziale Institutionen wie Verwaltung oder Wirtschaft.

WRINT: Politikunterricht – Was ist Gender und Geschlechtergerechtigkeit?

Link zur Podcastfolge

Die modernen Sozialwissenschaften gehen davon aus, dass Geschlechtlichkeit sozial konstruiert ist. Das bedeutet, dass Menschen zwar Geschlechtsorgane unterschiedlicher biologischer Geschlechter in unterschiedlicher Ausprägung besitzen, aber die Bedeutung dieses Umstandes rein sozial definiert ist. Dabei gibt es drei Dimensionen, an denen man diese Konstruktion festmachen kann:

biologisches Geschlecht bezieht sich auf die Geschlechtsorgane, die ein Mensch besitzt. Nachdem es phänotypisch sehr viele Ausprägungen gibt, kann hier schon nicht von rein männlichem oder weiblichem Geschlecht gesprochen werden. Die Einführung des dritten Geschlechts „divers“ zeigt das auch in der deutschen Gesetzgebung.

Geschlechtsidentität bezieht auf die Selbstwahrnehmung einer Person, bezogen auf ihr Geschlecht. Entspricht diese dem biologischen Geschlecht spricht man von Cis-Gender, entspricht sie dem nicht von Trans-Gender. Auch hier gibt es fließende Bedeutungen und Konstruktionen, die direkt mit der einzelnen Person zusammenhängen.

Sexuelle Orientierung bezieht sich auf die Frage, ob und welche Personen ein Mensch sexuell attraktiv findet. Von Asexualität wird gesprochen, wenn Menschen sexuelle Aktivitäten an sich unangenehm finden. Sind sie dem anderen Geschlecht zugewandt, spricht man von heterosexuell, dem eigenen von homosexuell, beiden von bisexuell, und wenn die Geschlechtsidentität der anderen Person für sie eine untergeordnete Rolle spielt, dann von pansexuell. Es gibt noch mehr Definitionen sexueller Orientierung, die alle zeigen, wie subjektiv und fluide sexuelle Orientierung ist.

Gesellschaftlich wurden und werden Menschen die nicht dem normal empfundenen Cis-Gender, heterosexuellen Geschlechterbild entsprechen immer noch diskrimiert, und das nicht nur von Einzelpersonen sondern auch strukturell. Hinzu kommt, dass Frauen, obwohl Cis-Gender und heterosexuell durch ihr Geschlechterbild diskriminert sind. Das trifft auf nahezu alle Lebensbereiche zu und wird am offensichtlichsten am Gender Pay Gap, dem Phänomen, dass Frauen strukturell weniger Geld für gleiche Arbeit verdienen als Männer.

Die Probleme der Geschlechtergerechtigkeit sind vielfältig und werden gesellschaftlich und politisch kontrovers diskutiert.

WRINT: Politikunterricht – Exkurs: Wie sieht die deutsche Altersstruktur aus?

Link zur Podcastfolge

Ein Begriff, der in den letzten Jahren in den allgemeinen Sprachgebrauch gewandert ist, ist der des demographischen Wandels. Dieser bezeichnet einen Prozess, der sich in der Entwicklung der Altersstruktur Deutschlands und vieler anderer moderner Industriestaaten abspielt.

Die Entwicklung lässt sich am besten an den demographischen Daten des statistischen Bundesamts erkennen.

Spult man zu den Daten von 1950 zurück, kann man noch erkennen, dass sich die Bevölkerung tatsächlich pyramidenförmig verteilt. Es gibt klare Einschnitte für den 1. und 2. Weltkrieg, besonders bei den Männern und natürlich ist die angenommene Pyramidenform, die man gerne mal für das Jahr 1910 zu sehen bekommt idealisiert.

In den Daten von 1980 kann man dann einen eindeutigen Geburtenrückgang erkennen, der auf die Einführung von Verhütungsmitteln zurückzuführen ist. Dieses Phänomen kennt man auch als den Pillenknick.

Im weiteren Verlauf der Daten kann man nun die Charakteristiken des demographischen Wandels erkennen: einen Rückgang der Geburtenraten und eine Überalterung der Gesellschaft. Dieses Phänomen führt dazu, dass sich die „Pyramide“ langsam in einen Pilz verwandelt in dem der jüngere Teil der Bevölkerung im Vergleich zu älteren immer kleiner wird. Dies stellt unsere Gesellschaft langfristig vor neue politische, aber auch soziale Probleme, da immer mehr ältere Menschen gepflegt und betreut werden müssen und umlagefinanzierte soziale Sicherungssysteme nicht mehr finanziert werden können.

WRINT: Politikunterricht – Exkurs: Was ist Soziologie?

Link zur Podcastfolge

Die Soziologie ist die Wissenschaft vom sozialen Verhalten menschlicher Gruppen. Sie beschäftigt sich hierbei mit Gruppen und nicht wie die Psychologie mit dem Verhalten einzelner. Die Soziologie ist dabei theoriebildend und empirisch. Das bedeutet, dass nicht nur soziologische Theorien entwickelt werden, sondern dass diese Theorien auch an erhobenen Daten überprüft werden. Um Daten zu erheben, benutzt die Soziologie Experimente, Umfragen und Beobachtung. Die Umfrage mit statistischer Auswertung ist dabei das meistbenutzte Mittel um soziologische Theorien zu bilden und zu überprüfen.

Der Blickwinkel der Soziologie kann in eine makro- und eine mikrosoziologische Betrachtungsweise unterteilt werden. Die Makrosoziologie beschäftigt sich mit sozialem Verhalten von großen Menschenmengen und den Dynamiken, die zwischen diesen Gruppen entstehen. Die Mikrosoziologie beschäftigt sich mit den sozialen Abläufen in Kleingruppen. Dabei sind die Übergänge teilweise fließend.

Wichtige Gebiete der Soziologie sind:

  • Sozialstrukturanalyse
  • Soziologie der Kleingruppen (z.B. Familiensoziologie)
  • Strukturanalyse von sozialen Räumen (z.B. Stadtsoziologie)
  • soziologische Theorie
  • Sozialisation (z.B. Jugendkulturphänomene)
  • Devianz (kriminelles Verhalten, gesellschaftliche Normen)

Zusammenfassung

Soziologie ist eine empirische und theoriebildende Wissenschaft, die sich mit dem sozialen Verhalten von menschlichen Gruppen beschäftigt. Sie benutzt dazu Umfragen, Experimente und Beobachtungen. Die Soziologie kann entweder einen breiten (Makrosoziologie) oder einen engen Fokus (Mikrosoziologie) haben.

WRINT: Politikunterricht – Exkurs: Was ist soziale Mobilität?

Link zur Podcastfolge

Soziale Mobilität bedeutet, dass sich Gruppen von Menschen bewegen. Dies können sie auf verschiedene Arten tun.

Deswegen kann die soziale Mobilität in zwei Arten aufgespaltet werden: die horizontale und die vertikale soziale Mobilität. Die horizontale Variante beschäftigt sich mit räumlichen Wanderungsbewegungen in einer Gesellschaft.

Während horizontale soziale Mobilität an sich auch spannend ist, liegt der politische Fokus meist auf der vertikalen sozialen Mobilität, also auf Wanderungsbewegungen zwischen verschiedenen sozialen Statusgruppen. Deren Aufbau hat sich im Laufe der europäischen Geschichte von einer sehr starren Struktur, die wenig Mobilität ermöglicht, in immer flexiblere Strukturen gewandelt. Hier kann man das einmal sehen:

cc-by Thomas Brandt

cc-by Thomas Brandt